17. bis 19. Juli 2014, Universität Stuttgart
1) „Empirisierung des Transzendentalen”: Wissenschaftliche Heuristik und Organisation

Organisation:

Dr. Philip Ajouri, Jun.-Prof. Dr. Benjamin Specht

Keynote-Speaker:

Prof. Dr. Manfred Engel (Neuere deutsche Literatur, Saarbrücken)

Prof. Dr. Catrin Misselhorn (Philosophie, Stuttgart)

Flyer als PDF
6. und 7. November 2014, Helmholtz Zentrum für Kulturtechnik, Berlin
2) Physis und Fiktion. Formen, Probleme und Folgen der physiologischen Empirisierung des Transzendentalen

Organisation:

Sara Hillnhütter, M.A.

Keynote-Speaker:

Prof. Dr. Michael Heidelberger (Philosophie, Tübingen)

PD Dr. Rainer Bayreuther (Musikwissenschaften, Freiburg)

Workshop-Programm als PDF

Die Sinnesphysiologie konstituiert sich im Untersuchungszeitraum als eigenes Forschungsgebiet, was etwa an der Gründung der Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane (ab 1890) deutlich wird. Aber auch schon früher wird sie popularisiert, zugleich in ihrer erkenntnistheoretisch problematischen Seite thematisiert. Gemäß den Studien von Helmholtz seit Mitte des 19. Jahrhun­derts reichen die menschlichen Sinne nicht einfach Signale der Außenwelt weiter, sondern sie verar­beiten sie unter der Bedingung ihrer physiologischen Beschaffenheit. Durch ‚unbewusste Schlüsse‘ werden die Sinnesinformationen gedeutet, diese Deutungen wiederum nach Maßgabe unserer kogni­tiven Kategorien verarbeitet und dem Bewusstsein weitergeleitet. Wenn Sinnes- und Denkapparat aber physiologisch fundiert und in der Folge durch die Evolutionstheorie als (kontin­gente) Adaptionen gesehen werden, entsteht erheblicher Problemdruck auf andere Wissenschaftsfel­der und Kulturtechniken, inklusive der Künste. Die Rezeption und produktive Weiterführung solch phy­siologischer und biologischer Überlegungen in psychologischen, pragmatischen, evolutionären und skeptischen Zusammenhängen findet sich folglich auch bei so verschiedenen Wissenschaftlern und Philosophen wie Ferdinand Avenarius, Hermann Bahr, Ludwig Boltzmann, Gustav Theodor Fechner, Hermann Lotze, Ernst Mach, Fritz Mauthner, Friedrich Nietzsche, Wilhelm Wundt oder Theodor Zie­hen. Dies führt zuweilen gar zu einer erkenntnistheoretischen Neubewertung des Geltungsanspruchs von Fiktionen überhaupt, weil das Wahrnehmen und Erkennen des Menschen per se fiktiven Status haben, so dass ‚Fiktion‘ nun – zumindest in der Alltagsbewältigung – endgültig als ‚unhintergehbar‘ betrachtet wird (Hans Vaihinger, Fritz Mauthner, Gustav Landauer). Literarische Autoren der Jahrhundertwende greifen diese und andere Ergebnisse und Konsequenzen der psychophysischen Empirisierung auf und versuchen, sie für das eigene Schreiben fruchtbar zu machen (z.B. Gottfried Benn, Carl Einstein, Hugo von Hofmannsthal etc.).


3. bis 5. Dezember 2015, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
3) Von der Vielfalt der Kulturen zur Konstruktion künstlicher Welten.
Formen, Probleme und Folgen der kulturalistischen Empirisierung des Transzendentalen

Organisation:

Dr. Dr. Martina King

Keynote-Speaker:

Prof. Dr. Wolfgang Riedel (Neuere deutsche Literatur, Würzburg)

Dr. Todd Weir (Belfast)

Workshop-Programm als PDF

Auch in der Geschichtswissenschaft, der Anthropologie und der ‚Völkerpsychologie’ kommt es zu einem allmählichen methodischen Wechsel von den rein buchgelehrten traditionellen Völkertableaus, meist auf Basis von Berichten wissenschaftlicher Laien, hin zu ersten Ansätzen einer modernen Feldforschung (Franz Boas) und der Einrichtung ethnologischer Museen als Forschungsstätten (Adolf Bastian), in denen die im Zuge kolonialistischer Bestrebungen stark gestiegene Menge an außereuropäischen Artefakten professionell ausgewertet werden soll. Aber auch hier gelangt man durch dieses empirische Wissen über andere Kulturkreise und -stufen nicht zu anthropologischen Universalien, sondern zunehmend zur Erkenntnis einer historischen und kulturellen Relativität der Erkenntnisbedingungen. Man beobachtet im Historismus, wie die spezifische Rationalität unterschiedlicher Epochen auf das Engste mit der jeweiligen geschichtlichen Lebenswelt korreliert ist (Rudolf Eucken), befasst sich anhand der Untersuchung sogenannter ‚Naturvölker‘ mit den variablen sozialen Dispositionen der menschlichen Geistesentwicklung (Theodor Waitz), betrachtet die Rück­kopplungsprozesse kollektiver Phänomene wie Moral, Religion und Mythos auf den Einzelmenschen und seinen Bewusstseinsstand (Edward Tylor, Moritz Lazarus und Heymann Steinthal, der späte Wil­helm Wundt) sowie mögliche Alternativen zur modernen Rationalität in einem ‚wilden Denken‘ (Lucien Lévy-Bruhl). Dieses neue anthropologische Wissen diffundiert in den Popu­lardiskurs (Völkerschauen, ethnologische Sammlungen, Reiseberichte, Gelehrtenromane etc.) und verbindet sich hier zunehmend mit einer allgemeinen, geschichts- und kulturphilosophischen Reflexion (Modernekritik, ‚kulturelle Evolution‘). Diese wird auch in den Künsten ausgetragen, ja man versucht mit ihren Mitteln zu erreichen, was das diskursive Denken nicht leisten kann: die Grenzen der eigenen Zeit und Kultur zu transzendieren und einem ‚anderen‘ – sei es ‚primitiven‘, ‚wilden‘, ‚exotischen‘, ‚mythi­schen‘, ‚magischen‘, ‚symbolischen‘ oder auch ‚futuristischen‘ – Bewusstsein auch im Europa der Mo­derne eine Stimme zu geben.


Juni 2016, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
4) Vom Wissen über die Sprache zur ‚Sprache als Kunst‘.
Formen, Probleme und Folgen der linguistischen Empirisierung des Transzendentalen

Organisation:

Dr. Katrin Max

Keynote-Speaker:

Prof. Dr. Jörg Kilian (Deutsche Philologie, Kiel), N.N.

Auch die sich aus der Philologie ausdifferenzierende Sprachwissenschaft versucht in der zweiten Jahrhunderthälfte, viele überkommene Debatten – allen voran die nach dem Ursprung der Sprache und ihr Verhältnis zum Denken – nun nicht mehr auf spekulativer, sondern erfahrungswissenschaftli­cher Basis anzugehen (Stammbaumtheorie, Junggrammatiker). Gemäß den gängigen, aber nur punktuell erschlossenen psychophysiologi­schen Sprachentstehungstheorien der Zeit bildet sich im Sprachlernenden zunächst durch Assoziation ein Junktim von Außenweltreizen und Lautgebärden, der dem elaborierten Denken chronologisch vorausgeht, weil sich dieses erst durch Konventionalisierung und Arbitrarisierung der elementaren ‚Wortwurzeln‘ einstellen kann (Gustav Gerber, Heymann Steinthal, Ludwig Noiré, Lazarus Geiger, Friedrich Max Müller). Die Sprache selbst erscheint somit als eigentliche Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis, nicht erst als Vehikel. Doch nicht nur in diachroner, auch in synchroner Perspektive erweist sich das Denken als sekundär zum Sprechen. Ist bereits bei Wilhelm von Humboldt das Den­ken an die Sprache allgemein verwiesen, weil es sich immer nur in einem zeichenhaften Medium voll­ziehen kann, so wird es darüber hinaus nun zunehmend von der Vielfalt der empirischen Sprachen abhängig gemacht. Die Einsicht, dass die Erkenntnisbedingungen von den Kontingenzen der existie­renden Sprachen abhängen, wird zu einem zentralen Ansatzpunkt der Sprachkritik (Nietzsche, Mauthner), und an die Sprachbedingtheit der Erkenntnis schließen auch die Künste, v.a. natürlich die Literatur, an, bspw. durch eine neue ‚Wortkunst‘, durch die Entwicklung von rein phonetischen Kunstsprachen oder eine neue Metaphern- und Symbolp­raxis der 1890er Jahren.


März 2017, Universität Stuttgart
5) „Empirisierung des Transzendentalen”: Synthese, Vorbereitung der Publikation und Ausblick

Organisation:

Dr. Philip Ajouri, Jun.-Prof. Dr. Benjamin Specht